NWZ-Serie über frühere WM-Turniere
Verfasst: 14.03.2006 08:52
Die NWZ hat anlässlich der anstehenden Fußball-WM eine Serie aufgelegt, in der sie über frühere Weltmeisterschaften berichtet. Über die WM 1938 in Frankreich, bei der eine nach dem „Anschluss“ Österreichs aus Deutschen und Österreichern nach politischen Vorgaben der Nazis zusammengemischte Mannschaft kläglich scheiterte, schreibt die NWZ groben Unfug über den Wiener Fußballstar Matthias Sindelar, der nicht in der „großdeutschen“ Nationalmannschaft spielen wollte, seine Fußballkarriere kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs beendete und noch im selben Jahr durch eine Kohlenmonoxydvergiftung (aus einer nicht korrekt eingestellten Gasheizung) zu Tode kam.
NWZ:
Für seine «Wiener Melange mit preußischem Einschlag» bekam Herberger nicht alle Kicker, die er auserwählt hatte. Der sensible Wiener Ausnahmestürmer Matthias Sindelar, auch «Mozart des Fußballs» genannt, gab ihm einen Korb unter dem Vorwand, er fühle sich zu alt. Sindelar war Jude, er wurde später von einem Teamkollegen denunziert. Am 23. Januar 1939 vergiftete er sich in seiner Wohnung mit Gas. 15 000 Trauergäste gaben ihm auf dem Zentralfriedhof das letzte Geleit.
Da der NWZ mein Hinweis auf die grobe Fehlerhaftigkeit ihres Artikels keine Reaktion wert war, gebe ich ihn für Interessierte mal hier zum Besten:
Was schreiben Sie da für einen Schmarren über den Fußballer Matthias Sindelar! Sindelar war Kind tschechischer Eltern, und kein Jude, auch wenn er für die bei den Nazis als "Judenverein" diffamierte Wiener Austria spielte und mit dem "Anschluss" und der "Neuen Ordnung" der Nazis wohl wenig am Hut hatte. Glauben Sie im Ernst, dass ein Jude 1938 noch in "Grossdeutschland" (außer in einem rein jüdischen Verein) als Fußballer und sogar als Nationalspieler vorstellbar war? Oder dass ein Jude 1938 ein Wiener Cafehaus erwerben konnte? Sindelar konnte das, weil er in der Lage war, einen "Ariernachweis" beizubringen.
Sindelar hat seine Fußballkarriere im Alter von 35 Jahren beendet, möglicherweise haben politische Gründe dieses Ende mitbefördert. Eine Denunziation kann jedenfalls nicht dafür herhalten. Ich frage mich, aus welcher Quelle Sie Sich da bedient haben.
Ob Sindelar sich selbst zusammen mit seiner Lebensgefährtin vergiftet hat, oder ob die beiden einem Unfall zu Opfer fielen, wurde auch nach 1945 nie aufgeklärt. Selbst über einen Mordanschlag wurde in diesem Zusammenhang spekuliert. Am wahrscheinlichsten dürfte wohl die Unfallversion sein. Ein Selbstmord oder Mord mittels einer defekten Gasheizung erscheinen doch schon rein technisch viel zu unsicher.
NWZ:
Für seine «Wiener Melange mit preußischem Einschlag» bekam Herberger nicht alle Kicker, die er auserwählt hatte. Der sensible Wiener Ausnahmestürmer Matthias Sindelar, auch «Mozart des Fußballs» genannt, gab ihm einen Korb unter dem Vorwand, er fühle sich zu alt. Sindelar war Jude, er wurde später von einem Teamkollegen denunziert. Am 23. Januar 1939 vergiftete er sich in seiner Wohnung mit Gas. 15 000 Trauergäste gaben ihm auf dem Zentralfriedhof das letzte Geleit.
Da der NWZ mein Hinweis auf die grobe Fehlerhaftigkeit ihres Artikels keine Reaktion wert war, gebe ich ihn für Interessierte mal hier zum Besten:
Was schreiben Sie da für einen Schmarren über den Fußballer Matthias Sindelar! Sindelar war Kind tschechischer Eltern, und kein Jude, auch wenn er für die bei den Nazis als "Judenverein" diffamierte Wiener Austria spielte und mit dem "Anschluss" und der "Neuen Ordnung" der Nazis wohl wenig am Hut hatte. Glauben Sie im Ernst, dass ein Jude 1938 noch in "Grossdeutschland" (außer in einem rein jüdischen Verein) als Fußballer und sogar als Nationalspieler vorstellbar war? Oder dass ein Jude 1938 ein Wiener Cafehaus erwerben konnte? Sindelar konnte das, weil er in der Lage war, einen "Ariernachweis" beizubringen.
Sindelar hat seine Fußballkarriere im Alter von 35 Jahren beendet, möglicherweise haben politische Gründe dieses Ende mitbefördert. Eine Denunziation kann jedenfalls nicht dafür herhalten. Ich frage mich, aus welcher Quelle Sie Sich da bedient haben.
Ob Sindelar sich selbst zusammen mit seiner Lebensgefährtin vergiftet hat, oder ob die beiden einem Unfall zu Opfer fielen, wurde auch nach 1945 nie aufgeklärt. Selbst über einen Mordanschlag wurde in diesem Zusammenhang spekuliert. Am wahrscheinlichsten dürfte wohl die Unfallversion sein. Ein Selbstmord oder Mord mittels einer defekten Gasheizung erscheinen doch schon rein technisch viel zu unsicher.